David Sackett und was evidenzbasierte Medizin wirklich meint
David Sackett gilt als einer der zentralen Begründer der evidenzbasierten Medizin (EBM). Sein Handeln und seine Lehre waren nie auf starre Evidenzhierarchien oder auf abstrakte Statistik reduziert. Im Gegenteil: Sackett definierte EBM ausdrücklich als Integration von drei gleichwertigen Säulen:
1. der bestverfügbaren wissenschaftlichen Evidenz,
2. den Werten und Präferenzen der Patient:innen und
3. der klinischen Expertise und Erfahrung der Behandelnden.
Evidenzbasierte Medizin - kurz EBM - war für Sackett kein Instrument zur Autoritätsabsicherung, sondern ein Werkzeug zum besseren Denken, Entscheiden und Lernen in der Praxis.
Klinische Erfahrung war für ihn kein Gegensatz zur Wissenschaft, sondern ein notwendiger Bestandteil davon – solange sie reflektiert, überprüfbar und lernfähig bleibt.
Ein oft missverstandener Punkt ist die Rolle von N=1-Studien: In Sacketts Tradition – und konsequent weitergeführt in den maßgeblichen EBM-Lehrbüchern – gelten sauber durchgeführte N=1-Experimente als echte Wissenschaft. Sie sind nicht „niedrige Evidenz“, sondern im Gegenteil dort angesiedelt, wo es um kausale Wirksamkeit beim konkreten Menschen geht. Entscheidend sind Methodik, Randomisierung, Vergleich, Retest und Transparenz – nicht die Stichprobengröße allein.
Gerade in komplexen, heterogenen oder chronischen Zuständen zeigen N=1-Designs ihre Stärke: Sie erlauben es, Hypothesen mechanistisch zu prüfen, Effekte unmittelbar zu testen und klinische Entscheidungen iterativ zu verbessern. Genau dieses Denken entspricht Sacketts Verständnis von Wissenschaft als lernendem Prozess, nicht als Dogma. Und es entspricht genau dem, was wir bei ZEP! tun.
Der aktuelle Talk, auf den hier hingewiesen wird, knüpft genau an diese Linie an. Er zeigt, dass die oft zitierte „Evidenzpyramide“ weder historisch noch inhaltlich das abbildet, was EBM ursprünglich gemeint hat. Stattdessen wird deutlich:
Mechanistisches Denken, klinische Erfahrung und individuelle Experimente sind keine Bedrohung für EBM – sie sind ihr Kern.
Wer Sackett ernst nimmt, kommt unweigerlich zu einer evidenzbasierten Medizin, die kritisch, patientenzentriert, testbar und lernoffen ist. Genau darum geht es in diesem Gespräch – und genau deshalb lohnt es sich, ihm und Chris Mastersohn PhD - ein Top Ernährungswissenschaftler, weil nicht von akuten ideologischen Tendenzen beeinflusst - zuzuhören: